5 Sicherheitsregeln in der Elektrotechnik ( DIN VDE 0105 )

Ein Leitfaden für mehr Sicherheit

In der Elektrotechnik hat die Sicherheit oberste Priorität. Arbeiten an elektrischen Anlagen und Geräten bergen hohe Risiken, die durch sorgfältige Planung und Einhaltung bewährter Sicherheitsregeln minimiert werden können. Dieser Blogbeitrag stellt die fünf wichtigsten Sicherheitsregeln in der Elektrotechnik vor, die jede Elektrofachkraft kennen und strikt befolgen sollte. Geschieht dies nicht, kann es beim Berühren unter Spannung stehender Anlagenteile zu schwerwiegenden Unfällen kommen, die sogar tödlich enden können. Missachtung der Regeln „Freischaltung und „Spannungsfreiheit feststellen“ sind die häufigsten Unfallursachen bei den Sicherheitsregeln. (2015 - 2019, Quelle: BG ETEM).

Sicherheitsregel 2: Gegen Wiedereinschalten sichern

Viele schwere Unfälle ereignen sich dadurch, dass Mitarbeiter die Anlage irrtümlicherweise eingeschaltet haben. Daher ist es wichtig, dass alle Trenn- und Betätigungsvorrichtungen wie Schalter, Steuerungen, Schaltknöpfe, Sicherungen und Leistungsschutzschalter gegen das Wiedereinschalten gesichert sind.

Methoden zum Sichern gegen Wiedereinschalten:

  • Vorhängeschlösser und Abschließvorrichtungen: Verwenden Sie Vorhängeschlösser, um Schalter und Sicherungen in der ausgeschalteten Position zu sichern.
  • Warnschilder und Markierungen: Bringen Sie deutlich sichtbare Warnschilder an, die darauf hinweisen, dass an der Anlage gearbeitet wird und sie nicht eingeschaltet werden darf.
  • Informieren Sie alle relevanten Personen: Stellen Sie sicher, dass alle Personen, die Zugang zur Anlage haben, über die laufenden Arbeiten informiert sind und wissen, dass die Anlage nicht eingeschaltet werden darf.

Beispiele aus der Praxis:

  • Installieren Sie Lockout-Tagout-Systeme (LOTO-Systeme), um das Wiedereinschalten effektiv zu verhindern. Diese Systeme bestehen aus speziellen Vorrichtungen und Verfahren, die sicherstellen, dass die Anlage während der Wartung oder Reparatur sicher abgeschaltet bleibt.

Das Sichern gegen Wiedereinschalten ist unabdingbar für die Unfallverhütung und sorgt dafür, dass die Arbeitsumgebung sicher bleibt.

Sicherheitsregel 4: Erden und Kurzschließen

Das Erden und Kurzschließen der Anlage ist besonders wichtig, wenn an Mittelspannungs- oder Hochspannungsanlagen gearbeitet wird. Die zum Erden und Kurzschließen verwendete Vorrichtung muss stets zuerst mit der Erdungsanlage oder einem Erder und danach erst mit dem zu erdenden Anlagenteil verbunden werden, wenn die Erdung und Kurzschließung nicht gleichzeitig, z.B. über einen Erdungsschalter, erfolgt. Diese Maßnahme stellt sicher, dass keine gefährlichen Spannungen auftreten können, die zu schweren Unfällen führen könnten.

Verfahren und Ausrüstung zum Erden und Kurzschließen:

  • fest eingebaute Erdungsschalter nach DIN EN IEC 62271-102 VDE 0671-102:2023-09, deren Aufgabe darin besteht, abgeschaltete Anlagenteile zu erden und bei mehrpoligen Erdschaltern gleichzeitig kurzzuschließen.
  • zwangsgeführte Staberdungs- und Kurzschließvorrichtungen nach DIN EN 61219 VDE 0683-200:1995-01. Dabei darf der Einsatz der Staberdungsgeräte nur an freigeschalteten, auf Spannungsfreiheit geprüften elektrischen Anlagenteilen erfolgen.
  • frei geführte ortsveränderliche Erdungs- und Kurzschließgeräte nach DIN EN 61230 VDE 0683-100:2009-07.

Sicherheitshinweise:

  • Überprüfen Sie regelmäßig die Erdungsausrüstung auf Beschädigungen und Abnutzung.
  • Verwenden Sie nur zugelassene und geprüfte Erdungswerkzeuge, um maximale Sicherheit zu gewährleisten.

Praktische Beispiele:

  • Bei Arbeiten an einer Hochspannungsleitung muss die Leitung zunächst mit einer Erdungsstange verbunden und kurzgeschlossen werden, bevor die eigentlichen Arbeiten beginnen können.

Das Erden und Kurzschließen sind eine essenzielle Sicherheitsmaßnahme, die das Risiko elektrischer Schläge und Lichtbögen erheblich reduziert.

Unter Spannung setzen nach der Arbeit

Erst nach Durchführung der fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik darf die Arbeitsstelle durch den Arbeitsverantwortlichen freigegeben werden. Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist die Genehmigung durch den Anlagenverantwortlichen.

Das ist beim unter Spannung setzen nach der Arbeit zu beachten:

  • Mit dem Prozess zum Wiedereinschalten nach Beendigung und Überprüfung der Arbeiten darf erst begonnen werden, wenn sich an der Arbeitsstelle keine Personen, Werkzeuge und Hilfsmittel mehr befinden.
  • Die Maßnahmen der fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik werden im Normallfall in umgekehrter Reihenfolge aufgehoben. Es sind immer zuerst die Kurzschließverbindungen und danach die Erdverbindungen zu lösen.
  • Ebenfalls ist nach Abschluss der Arbeiten der Anlagenverantwortliche über die Beendigung der ausgeführten Arbeiten zu informieren, die ausgegebenen Freigabescheine wieder auszuhändigen. Der Arbeitsverantwortliche muss den Anlagenverantwortlichen klar und unmissverständlich über den Abschluss der Arbeiten unter Angabe der Arbeitsstelle und der Arbeitsgruppe sowie die Einschaltbereitschaft melden.

Erweiterte Sicherheitsmaßnahmen und bewährte Praktiken

Neben den grundlegenden fünf Sicherheitsregeln gibt es weitere bewährte Praktiken und Maßnahmen, die die Sicherheit in der Elektrotechnik zusätzlich erhöhen können. Hier einige zusätzliche Empfehlungen:

Regelmäßige Sicherheitsunterweisungen: Führen Sie regelmäßige Sicherheitsunterweisungen und Schulungen für alle Mitarbeiter durch. Diese Schulungen sollten aktuelle Sicherheitsstandards, neue Technologien und Best Practices umfassen. Regelmäßige Auffrischungskurse helfen, das Bewusstsein für Sicherheitsrisiken aufrechtzuerhalten und neue Mitarbeiter umfassend zu schulen.

Risikobewertung und Gefährdungsbeurteilung: Vor Beginn eines Projekts sollte eine umfassende Risikobewertung durchgeführt werden. Identifizieren Sie potenzielle Gefahren und bewerten Sie das Risiko jedes Arbeitsschrittes. Erstellen Sie einen Plan zur Minimierung dieser Risiken und stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeiter über die identifizierten Gefahren und die vorgesehenen Schutzmaßnahmen informiert sind.

Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung (PSA): Stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeiter die erforderliche persönliche Schutzausrüstung tragen. Dies umfasst isolierende Handschuhe, Schutzbrillen, Helme, isolierende Schuhe und ggf. Schutzkleidung. Die richtige PSA kann Leben retten und Verletzungen verhindern.

Einsatz von modernen und geprüften Werkzeugen: Verwenden Sie immer moderne und geprüfte Werkzeuge, die den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen. Regelmäßige Wartung und Überprüfung der Werkzeuge gewährleisten deren einwandfreie Funktion und erhöhen die Sicherheit.

Implementierung von Notfallplänen: Erstellen Sie detaillierte Notfallpläne für verschiedene Szenarien, wie elektrische Unfälle, Brände oder andere Notfälle. Stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeiter die Notfallpläne kennen und wissen, wie sie im Ernstfall zu reagieren haben. Regelmäßige Notfallübungen helfen, die Reaktionsfähigkeit zu verbessern.